Im Gespräch

Zum Tag des Hellen Hautkrebses: Ungesunde Bräune

Heller Hautkrebs ist in Europa um 30 Prozent häufiger als bisher angenommen. Darauf macht die European Skin Cancer Foundation (ESCF) am 13. September 2020, dem Tag des Hellen Hautkrebses, besonders aufmerksam. Die aktuellen Zahlen stammen aus einer seit 2008 in neun europäischen Ländern laufenden EU-Studie (EPIDERM-Studie). Allein in Deutschland erkranken Jahr für Jahr 220.000 neu an der mittlerweile häufigsten Krebsart der Bevölkerung – mit steigender Tendenz um jährlich fünf bis sieben Prozent. Die Basi sprach darüber bereits 2018 mit Prof. Swen Malte John, Leiter des Fachgebiets Dermatologie, Umweltmedizin und Gesundheitswissenschaften der Universität Osnabrück. Er ist Fachmann für berufliche Hauterkrankungen, leitet das dermatologische Zentrum am BG-Klinikum in Hamburg und berät die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) sowie die WHO zu diesem Thema.

Viele sprechen ja von „gesunder Bräune“ – warum und wann ist UV-Strahlung denn überhaupt schädlich?

Braune Haut ist für mich ungesund – ein Zeichen dafür, dass sich der Körper gegen eine Gefahr wehrt. UV-Strahlung schädigt das Erbmaterial unmittelbar, das heißt, Zellen entarten. Die Haut altert schneller und mit der Zeit kann sich heller Hautkrebs entwickeln. Gleichzeitig wird das Immunsystem heruntergefahren. Das ist so ähnlich, als würde man in einem Haus Feuer legen, zugleich die Leitung zur Feuerwehr kappen und Straßensperren errichten.

Braucht die Haut nicht auch eine gewisse Portion Sonne, damit der Körper z.B. genügend Vitamin D bildet?

Ich würde eher dazu raten bei Vitamin D-Mangelzuständen, den Körper über Präparate mit Vitamin D zu versorgen – die Gefahr durch die UV-Strahlung ist zu groß. Im Übrigen ist der Zeitraum, in dem wir uns in der Sonne aufhalten müssen, um ausreichend Vitamin D zu synthetisieren, sehr kurz. Entsprechend selten sind Vitamin D-Mangelzustände.

Wann ist die Dosis überschritten?

Wir sehen, dass sich ein heller Hautkrebs besonders häufig entwickelt, wenn jemand mehr als zehn Jahre unter der Sonne gearbeitet hat; wenn mehr als 40 Prozent zusätzliche UV-Strahlung durch den Beruf empfangen wurden, sind die arbeitstechnischen Voraussetzungen für die Anerkennung einer Berufserkrankung gegeben. Viele Außenbeschäftigte bringen es im Laufe der Jahre leicht auf 100 Prozent zusätzliche UV-Exposition durch den Beruf.  Nehmen Sie den Bauarbeiter als Beispiel, der am Tag oft das Fünffache des von der WHO empfohlenen Grenzwertes von einer SED (Standard Erythem-Dosis) abbekommt, das ist in anderen Zusammenhängen – etwa bei radioaktiver Strahlung – unvorstellbar. Nur bei der Sonne finden es viele offenbar noch normal.

Wie kann frühzeitig erkannt werden, dass jemand an weißem Hautkrebs erkrankt ist?

Die Folgen der Sonnenstrahlen zeigen sich zunächst an Frühformen, genannt aktinische Keratosen, die dann später in ein Plattenepithelkarzinom übergehen können. Im Gegensatz zu dem schwarzen Hautkrebs, malignes Melanom genannt, sind diese Stellen hautfarben und schuppig. Sie entstehen meist an den so genannten Sonnenterrassen des Körpers, also im Gesicht oder im Nacken.

Kann diese Erkrankung eingedämmt werden – oder lässt sie sich gänzlich verhindern?

Wer die schuppigen Stellen bemerkt, sollte direkt seinen Hautarzt zu Rate ziehen. Denn wenn man einmal an weißem Hautkrebs erkrankt ist, dann tauchen immer wieder solche Stellen auf sonnenbeschienen Körperregionen auf. Das heißt, Betroffene müssen Frühformen häufig alle zwei Monate entfernen lassen. Damit die Krankheit frühzeitig erkannt und behandelt wird, läuft derzeit eine Diskussion darüber, die gesetzlichen Vorsorgeuntersuchungen und –Beratungen für Menschen, die draußen arbeiten, gezielt auszuweiten. Dass sich der weiße Hautkrebs eindämmen oder sogar verhindern lässt, zeigt sich derzeit in Australien: Dort tragen schon Kinder Hüte mit Nackenschutz und schützen sich konsequent, indem die Kleidung hochgeschlossen ist. Noch ein Beispiel: Betrachtet man die Innenseite der Arme älterer Menschen, die ja der Sonne abgewandt sind, dann sieht man relativ glatte, helle Haut – so könnte sie bei entsprechendem Schutz am ganzen Körper aussehen.