Raum:
1. OG, Raum 14, Halle 1 / 1st Floor, Room 14, Hall
Thema:
Prävention von biologischen, chemischen und physikalischen Gefährdungen
Präsentationsart:
Vortragsveranstaltung
Dauer:
90 Minuten
Chemikalien gehören als feste Bestandteile zur modernen Arbeitswelt in der Industrie, Forschung oder in der Energiewende. Es gilt, im Hinblick auf Gefahrstoffe Sicherheit und Nachhaltigkeit miteinander zu verbinden.
Diese Session beleuchtet aktuelle Entwicklungen im europäischen Chemikalienrecht und zeigt, wie neue Konzepte den Arbeitsschutz stärken können. Im Mittelpunkt steht das Prinzip „Safe and Sustainable by Design“ – also die Idee, Chemikalien und Materialien von Anfang an so zu entwickeln, dass sie sicher und nachhaltig sind.
Wichtige Inhalte:
- Ein Rückblick auf 33 Jahre Gefahrstoffschutz – mit Lehren für die Zukunft
- Das Konzept „Safe and Sustainable by Design“ wird vorgestellt
- So können gefährliche Stoffe durch sichere Alternativen ersetzt werden: Einblicke in die Substitution
- So kann die EU-Verordnung REACH Innovationen und Arbeitsschutz unterstützen
- Sichere Materialien für die Energiewende – z. B. bei Batterien, Photovoltaik und Wasserstoff
- Wie eine „vorweggenommene Gefährdungsbeurteilung“ Risiken frühzeitig erkennt
Die Teilnehmenden bekommen wertvolle Informationen für ein besseres Verständnis von chemikalienpolitischen Entwicklungen – und wie diese helfen, Arbeitsplätze sicherer und nachhaltiger zu gestalten.
14:45 Uhr
Begrüßung und Einführung
14:50 Uhr
Entwicklungen und Perspektiven der EU-Chemikalienpolitik und des Arbeitsschutzes - eine Bilanz von 33 Jahren Gefahrstoffschutz bei der BAuA
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Autor:in:
Dr. Rolf Packroff | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA)
Seit 1992 habe ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der damaligen Bundesanstalt für Arbeitsschutz und seit 2005 als Wissenschaftlicher Leiter der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin den Schutz arbeitender Menschen vor Gefahrstoffen mitgestaltet. Kurz vor meinem Ruhestand möchte ich eine kleine Bilanz meiner vielfältigen Arbeit ziehen. Von Beginn an habe ich mich mit der Problematik kritischer Faserstäube beschäftigt. Wichtige Meilensteine waren die Verhandlungen zu einem Asbestverbot in der EU, die Unterstützung der Einführung biolöslicher Mineralwollen, die Verbotsmaßnahmen für biobeständige Produkte und die Mitwirkung an den einschlägigen TRGS. Eine neue Dimension bekam die Faserproblematik mit der Entwicklung von faserförmigen Nanomaterialien, wo ich in einer Arbeitsgruppe der WHO auch das systematische Vorgehen eines evidenzbasierten Arbeitsschutzes kennengelernt habe.
Weitere Höhepunkte meines Arbeitslebens waren die erfolgreiche Implementierung des Einfachen Maßnahmenkonzepts Gefahrstoffe als inzwischen breit akzeptierte Handlungshilfe sowie die Leitung des Arbeitskreises zur TRGS 400 im Ausschuss für Gefahrstoffe. Im Rahmen der Initiative "Neue Qualität der Arbeit" INQA konnte ich die Beiträge des Arbeitsschutzes zu einer Nachhaltigen Chemie, insbesondere das Konzept zur Anwendungssicherheit, mitgestalten. Dies gilt auch für die immer noch größer werdende Schnittmenge zwischen dem Arbeitsschutz und der Europäischen Chemikalienpolitik.
15:10 Uhr
Sicherheit und Nachhaltigkeit von Chemikalien und Materialien - Chancen und Herausforderungen für integrierten Arbeitsschutz
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Autor:in:
Nicoletta Godas | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) | Germany
Der Vortrag beginnt mit einem Überblick über die bestehenden regulatorischen Grundlagen in Deutschland für den sicheren Umgang mit Chemikalien am Arbeitsplatz. Diese Rahmenbedingungen bilden die Basis für die Weiterentwicklung integrierter Arbeitsschutzkonzepte, die sowohl Sicherheit als auch Nachhaltigkeit berücksichtigen.
Im Anschluss wird das EU-Konzept „Safe and Sustainable by Design“ (SSbD) vorgestellt, das darauf abzielt, Chemikalien und Materialien bereits in der Entwicklungsphase sicherer und nachhaltiger zu gestalten. Dabei wird der Fokus auf die Integration des Arbeitsschutzes gelegt, um eine rechtssichere und praktikable Umsetzung im betrieblichen Umfeld zu gewährleisten.
Ein zentrales Element des Vortrags ist das Anwendungssicherheitskonzept der BAuA, das als praxisnahes Instrument dient, um die sichere Verwendung von Chemikalien zu unterstützen und Fehlentscheidungen bei der Substitution zu vermeiden. Darüber hinaus werden aktuelle Forschungsprojekte der BAuA präsentiert und auf die Entwicklungen europäischer Initiativen hingewiesen. Diese Projekte beschäftigen sich mit innovativen Methoden zur Bewertung von Sicherheit und Nachhaltigkeit von Chemikalien und Materialien.
Der Vortrag richtet sich an Fachkräfte aus Arbeitsschutz, Forschung und Wirtschaft und vermittelt praxisnahe Ansätze, um die Herausforderungen bei der Umsetzung von SSbD zu bewältigen. Ziel ist es, das Verständnis für die Bedeutung
15:30 Uhr
Förderung der Substitution von Gefahrstoffen durch das Europäische Chemikalienrecht am Beispiel REACH
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Autor:in:
Dr. Andreas Lüdeke | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA)
Die Substitution gefährlicher Stoffe ist ein zentrales Ziel des Europäischen Chemikalienrechts. Der Vortrag beleuchtet die Rolle von REACH (Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals) als zentrales Regelwerk zur Förderung dieses Ziels – insbesondere durch die Instrumente Zulassung und Beschränkung. Beide Mechanismen setzen gezielt regulatorische Anreize, um besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC) zu ersetzen um damit nicht nur Umwelt- und Verbraucherschutz, sondern auch den Schutz der Beschäftigten am Arbeitsplatz zu verbessern.
Aus Sicht des Arbeitsschutzes wird analysiert, wie REACH zur Umsetzung nachhaltiger und sicherer Chemikalienstrategien beiträgt und wie das Substitutionsziel unter REACH in den letzten Jahren gestärkt werden wurde. Herausforderungen ergeben sich aber weiterhin aus Unsicherheiten bei der Bewertung und der Qualifizierung einer Alternative als sicher und nachhaltig und aus einem Mangel an Unterstützungsangeboten. In diesem Zusammenhang soll über die in der EU laufenden Diskussionen und Aktivitäten zur Förderung der Substitution informiert werden wie z.B. den Aufbau von Substitutionszentren.
Ziel des Vortrags ist es, ein vertieftes Verständnis für die Wirkweise der REACH-Instrumente zu vermitteln und ihre Bedeutung für nachhaltige und sichere Arbeitsbedingungen zu verdeutlichen.
15:50 Uhr
Relevanz und Substitutionspotenzial gefährlicher Stoffe in der Energiewende
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Autor:in:
Dr. Andreas Müller | chromgruen Planungs- und Beratungs- GmbH & Co. KG | Germany
Die Energiewende stellt die Gesellschaft vor große technologische und ökologische Herausforderungen. Der Vortrag beleuchtet den aktuellen Stand der Verwendung und das Substitutionspotenzial gefährlicher Chemikalien und Materialien in Schlüsseltechnologien der Energiewende, wie z.B. Batterien, Photovoltaik, Windkraft und grünem Wasserstoff.
Es wird dargestellt, welche Herausforderungen und Chancen sich für den Arbeitsschutz durch die Verwendung und die Substitution dieser Stoffe ergeben. Dabei werden regulatorische Anforderungen sowie Praxisaspekte berücksichtigt, die für eine sichere und nachhaltige Umsetzung der Energiewende aus Sicht des Arbeitsschutzes relevant sind.
Ziel ist es, die Bedeutung einer frühzeitigen Risiko- und Nachhaltigkeitsbewertung in der Materialauswahl aufzuzeigen, um potenzielle Gesundheitsgefährdungen am Arbeitsplatz frühzeitig zu identifizieren um Risiken für die Beschäftigten möglichst auszuschließen oder zu minimieren.
16:10 Uhr
Zusammenfassung, Ausblick und Verabschiedung