In der Session werden Erkenntnisse aus Forschungsprojekten des BAuA-Schwerpunktprogramms "Schnittstelle Infektions- und Arbeitsschutz", die unter dem Themenblock „Evidenzbasierte Schutzmaßnahmen“ gebündelt werden, sowie zu einem aktuellen Projekt der Kommission Arbeitsschutz und Normung zur Verbesserung der Schutzanforderungen von Belüftungsanlagen mobiler Maschinen, vorgestellt. Der hier adressierte Themenblock greift offene Fragestellungen auf und konkretisiert die Entwicklung, Analyse und Bewertung von technischen, organisatorischen sowie personenbezogenen Schutzmaßnahmen im Kontext des betrieblichen Infektions- und Arbeitsschutzes. Inhalte der Session sind auf der einen Seite aktuelle Erkenntnisse zur Entstehung und Verbreitung von luftgetragenen menschlichen Ausatempartikeln in Innenräumen sowie zum infektionsschutzgerechten Lüften, um die Wirkweise von Maßnahmen des Infektionsschutzes am Arbeitsplatz zu verstehen und zu verbessern. Auf der anderen Seite stehen sichere Produkte und die Konkretisierung von normativen Produktanforderungen zur Erhöhung der Gebrauchstauglichkeit und damit auch zum Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher.
Zielgruppen: Betriebs-/Arbeitsmediziner, Schwerbehindertenvertretung, Betriebs- und Personalrat, Personalwesen/Verwaltung, Arbeitsorganisation, Notfall-/Krisenmanagementbeauftragter, Gesundheitsmanagement, Ausbilder, Trainer, Berater, Management, Führung
(Zur besseren Lesbarkeit wird im Text auf die gleichzeitige Nennung aller Geschlechter verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten selbstverständlich für alle Geschlechter gleichermaßen.)
16:30 Uhr
Begrüßung und Einführung
16:35 Uhr
Ausblick - Untersuchungen von Raumluftströmungen zur Bewertung der Raumlufthygiene mit dem Fokus auf aerosolgetragene Krankheitserreger
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Autor:innen:
Dr. Kersten Bux | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) | Germany
Dr. Carolin Schott | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) | Germany
An der Schnittstelle zwischen Infektionsschutz und Arbeitsschutz greift die BAuA offene Fragen aus der pandemischen Begleitforschung auf, um die Entwicklung, Analy-se und Bewertung von Schutzmaßnahmen im betrieblichen Umfeld voranzutreiben. Ein zentrales Thema ist dabei das „infektionsschutzgerechte Lüften“ am Arbeitsplatz. Vor diesem Hintergrund werden im Rahmen eines laufenden Forschungsprojektes systematisch raumlufthygienische Parameter untersucht und die Wirksamkeit ver-schiedener Lüftungsstrategien sowie der Einfluss von Luftreinigern, Masken, Heizele-menten und Trennwänden auf die Aerosolausbreitung und die Raumluftströmung überprüft. Diese Untersuchungen erfolgen sowohl experimentell als auch durch nume-rische Simulationen, um bestehende Empfehlungen zu validieren und neue Erkennt-nisse zu gewinnen. Die Ergebnisse des Projektes sollen in praxisgerechte Handlungs-hilfen überführt und zielgruppengerecht verbreitet werden, sodass Betriebe auf fun-dierte Empfehlungen und evidenzbasierte Schutzmaßnahmen zurückgreifen können. Zu den wichtigsten Zielen des Projektes zählen die Definition von Anforderungen und Beurteilungsmaßstäben an die Raumlufthygiene, die Prüfung der Wirksamkeit von Schutzmaßnahmen sowie die Entwicklung von Modellierungs- und Analysewerkzeu-gen für den Arbeitsschutz. Im Vortrag werden Veranlassung, Inhalte und Ziele des Forschungsprojektes dargestellt.
16:40 Uhr
Viele Normen – ein Problem: Lüftungsanforderungen für Bedienerkabinen zum Schutz vor Bio- und Gefahrstoffen
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Autor:innen:
Dr. Günther Weise | Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik e.V. (KWF) | Germany
Dr.-Ing. Christian Knobloch | Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik e.V. (KWF) | Germany
Bedienerkabinen und Anforderungen an die Lüftung zum Schutz vor Bio- und Gefahrstoffen sind häufig Thema in Normen zu mobilen Maschinen. Gestaltungsanforderungen sind meist als Abschnitt innerhalb einer Produktnorm formuliert (z.B. Flurförderzeuge, Erdbaumaschinen, Forstmaschinen). Manche Normen widmen sich auch nur der Lüftungsthematik einer bestimmten mobilen Maschine (z.B. bei Bergbaumaschinen oder Traktoren). Ebenso werden für die Filterklassifizierung mehrere Normen angewandt.
Normung hierzu findet in verschiedenen Normenausschüssen statt, und die mitarbeitenden Fachleute sind häufig nicht untereinander vernetzt. Aus Sicht des Arbeitsschutzes ist es hinsichtlich des Schutzes vor Bio- und Gefahrstoffen deshalb sinnvoll zu analysieren, welche Anforderungen vor die Klammer gezogen werden können, damit der Schutz der Bedienperson immer das gleiche Niveau hat und sich nicht jedes Normungsgremium eigene Gedanken für Festlegungen machen muss.
Hierzu wurde im Auftrag der Kommission Arbeitsschutz und Normung (KAN) eine Bestandsanalyse und anschließend eine strukturierte Bedarfsermittlung im Bereich der Normung von Bedienerkabinen durchgeführt. Die Ergebnisse werden vorgestellt - zum einen bei vorgesehenem Einsatz in mit Gefahr- und Biostoffen kontaminierten Umgebungen und zum anderen für den Einsatz in nicht-kontaminierten Bereichen. Idealerweise können die Ergebnisse als Grundlage für eine Norm genutzt werden.
16:55 Uhr
Die Herkunft menschlicher Aerosolpartikel - eine Spurensuche
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Autor:in:
Dr. Carl Firle | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) | Germany
Im Rahmen der SARS-CoV-2-Pandemie zeigte sich, welch hohe Relevanz luftübertragene Infektionen im alltäglichen, aber auch im Arbeitskontext haben. Wir konnten anhand des Spielens von Blasinstrumenten zeigen, dass Aerosolemissionen nicht vom Instrument, sondern von individuellen, physiologischen Faktoren abhängen. Um die Prozesse besser zu verstehen, wurde die Emission von Aerosolpartikeln in Abhängigkeit von Atemvolumen und Inspirationszeit mit Partikelzählern untersucht.
Die Ergebnisse zeigen, dass eine Zunahme des Atemvolumens zu einer signifikanten, exponentiellen Zunahme der Aerosolpartikelausscheidung führt, was besonders ab Volumina > 1 Liter gilt. Bereits ab einem Atemvolumen von 3-4 Liter werden maximale Aerosolausscheidungen um 1x10^5 Partikel pro Ausatemstoß erreicht. Neben dem Atemvolumen als Hauptfaktor zeigte sich die Inspirationszeit als weiterer Faktor für die Entstehung von Aerosolpartikeln: eine Verkürzung der Inspirationszeit steigerte die Partikelemission besonders bei höheren Volumina. Geschlecht, Körpergröße, Körpergewicht oder Lungenfunktionswerten hatten keinen signifikanten Einfluss.
Die Ergebnisse zeigen, dass Aktivitäten mit hohem Atemminutenvolumen zu hoher Partikelemission führen. Zukünftig kann mittels atemphysiologischer Parameter eine geschätzte Partikelemission ermittelt werden. Tätigkeiten mit hoher physischer Belastung oder mit hoher Atemaktivität haben einen besonderen Bedarf an Schutzmaßnahmen zur Verminderung aerogener Infektionen
17:20 Uhr
Does one size really fit all? Erhebung zu Größenvariationen von kostengünstigen FFP2-Masken auf dem deutschen Markt
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Autor:in:
Dr. Tobias Kalisch | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) | Germany
Das Erreichen der ausgelobten Schutzleistung von FFP2-Masken ist vom Dichtsitz abhängig. Bedingt durch die starke Nachfrage in den vergangenen Jahren wurden Produktionskapazitäten schnell ausgebaut, was in Deutschland zu einer marktbeherrschenden Stellung von konstruktiv einfachen, kostengünstigen Masken in „Kaffeefilter“-Bauform führte. Diese Produkte sind meist ohne Größenangabe bzw. nur als „Einheitsgröße für Erwachsene“ verfügbar, da in der zugrundeliegenden Norm EN 149 bislang kein Größensystem definiert wird.
In der vorliegenden Studie wurden 70 Masken von 57 Herstellern untersucht. 52 waren ohne spezifische Größenangabe bzw. als Einheitsgröße ausgewiesen, 18 mit einer Größenangabe versehen (XS- XL). Die Masken wurden digital vermessen und Distanz- und Flächenmaße extrahiert. Mittels Hauptkomponentenanalyse konnten diese Parameter auf zwei Komponenten reduziert und für eine Clusteranalyse genutzt werden. Die Analyse zeigte auf, dass nur zwei distinkte Größencluster vorhanden waren: Ein Cluster mit sieben kleinen Masken (XS-S) und einer mit 63 Masken in Einheitsgröße sowie den Größen M-XL.
Die Studie gibt einen Hinweis darauf, dass konstruktiv einfache FFP-Masken in Einheitsgröße möglicherweise nicht für das gesamte Spektrum von Gesichtsgrößen passend sind. Hier wäre ein Größensystem von Vorteil, um die Auswahl und Verwendung für unterschiedliche Benutzer und Benutzerinnen sicherzustellen.
17:35 Uhr
Kritische Stimmen: Kundenrezensionen als Indikatoren für nicht konforme FFP2-Masken im Onlinehandel
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Autor:in:
David Schnura | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) | Germany
Ein chemischer Geruch, abreißende Ohrenbänder, sehr dünnes oder hartes Material - es gibt viele Indikatoren, die darauf hindeuten, dass partikelfiltrierende Halbmasken möglicherweise nicht die geforderten Sicherheits- und Gesundheitsschutzanforderungen einhalten. Zu den Aufgaben von Marktüberwachungsbehörden gehört es daher, diejenigen Produkte vom Markt zu nehmen, die durch Nichteinhaltung gesetzlicher Vorgaben eine Gefährdung für den Verbraucher darstellen. In der Zeit der Coronapandemie konnte im Onlinehandel eine Zunahme von partikelfiltrierende Halbmasken einfacher Bauart beobachtet werden, die die Marktüberwachungsbehörden vor neue Herausforderungen stellten. Stichprobenartige Kontrollen standen einem Überangebot von Produkten entgegen.
In diesem Zusammenhang könnten zukünftig digitale Werkzeuge, die eine Vorauswahl der Angebote aufgrund frei verfügbarer Produktinformationen treffen, hilfreich sein. Ein Ansatz ist die Nutzung von Hinweisen in Kundenrezensionen, in denen über potenziell gefährliche Eigenschaften berichtet wird. In dieser Studie wurden daher Kundenrezensionen auf Onlineplattformen analysiert. Die technischen Hintergründe des eingesetzten Werkzeugs sowie die gewonnenen Erkenntnisse werden vorgestellt und hinsichtlich ihrer Praktikabilität bewertet.
17:55 Uhr
Zusammenfassung und Verabschiedung