Raum:
1. OG, Raum 16, Halle 1 / 1st Floor, Room 16, Hall
Thema:
Gesundheit in der Arbeitswelt
Präsentationsart:
Vortragsveranstaltung
Dauer:
90 Minuten
Notfälle können alle Unternehmen betreffen und neben menschlichem Leid auch hohe Kosten verursachen. Mit dem Begriff Notfall ist dabei eine unerwartete, plötzliche Extremsituation gemeint, zum Beispiel schwere oder tödliche Arbeits- und Wegeunfälle, medizinische Notfälle oder verbale bzw. körperliche Gewalttaten.
Die DGUV verweist im Grundsatz 306-001 auf ein Gesamtkonzept im Umgang mit Notfällen in Unternehmen, entsprechend der DGUV-Terminologie traumatische Ereignisse, das zur Vermeidung und Bewältigung potenzieller psychischer Gesundheitsschädigungen drei Handlungsphasen umfasst: Maßnahmen der Primärprävention (Prävention), der Sekundärprävention (Akutversorgung und weiterführende Betreuung) sowie der Tertiär-prävention (Rehabilitation und Wiedereingliederung).
Doch wie sieht die praktische Umsetzung dieser Empfehlungen aus? Wie werden betroffene Beschäftigte versorgt? Und wer kann Unternehmen wie unterstützen?
Zur Beantwortung dieser Fragen wurde vom 01.01.2022 bis 30.09.2025 unter der Leitung von Prof. Dr. Sabine Rehmer das Forschungsprojekt „Psychosoziale Notfallversorgung in Unternehmen – eine Bestandsaufnahme zur Umsetzung in Deutschland“ an der SRH University, unterstützt durch die Forschungsförderung der DGUV, durchgeführt.
Im Forschungsprojekt erfolgte eine Bestandsaufnahme unter Beachtung der verschiedenen Perspektiven von Unternehmen, Unfallversicherungsträgern, ehrenamtlicher PSNV-B-Teams und externer Anbietender in vier Teilprojekten.
In der Session werden die zentralen Ergebnisse des Forschungsprojekts für alle 4 Teilprojekte vorgestellt.
Zielgruppen: Fachkraft für Arbeitssicherheit, Betriebs-/Arbeitsmediziner, Betriebs- und Personalräte, Notfall-/Krisenmanagement, Management, Führung
Zur besseren Lesbarkeit wird im Text auf die gleichzeitige Nennung aller Geschlechter verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten selbstverständlich für alle Geschlechter gleichermaßen.
14:45 Uhr
Begrüßung und Einführung
14:50 Uhr
Psychosoziale Notfallversorgung in Unternehmen – aus Sicht von Unternehmen
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Autor:innen:
Petra Wagner | SRH University
Daniel Niewrzol | SRH University
Maike Juds | SRH University
Albrecht Freudewald | SRH University
Prof. Dr. Sabine Rehmer | SRH University
Im Teilprojekt 1 wurden 2388 Betriebe und 207 betroffene Beschäftigte online befragt.
Untersuchte Forschungsfragen und Ergebnisse
1. Wie werden Beschäftigte in Unternehmen in Deutschland bei Notfällen psychosozial betreut?
In Unternehmen gibt es oft verschiedene Notfälle; präventive PSNV-Maßnahmen sind teils vorhanden, jedoch ausbaufähig, insbesondere in Dokumentation und Meldeverhalten. Beschäftigte berichten von mangelhafter Vorbereitung und fehlender Unterstützung, vor allem Frauen beklagen negative Reaktionen.
2. Welche internen und externen betrieblichen Faktoren und Maßnahmen beeinflussen eine Psychosoziale Notfallversorgung in Unternehmen positiv oder negativ?
Fehlende Informationen und Ressourcen erschweren in Betrieben die Umsetzung, während externe Unterstützung förderlich wirkt. Positiv für Beschäftigte sind Schulungen und klare Zuständigkeiten; Defizite in Vorbereitung und Kommunikation wirken negativ, besonders bei Frauen.
15:10 Uhr
Psychosoziale Notfallversorgung in Unternehmen – aus Sicht der Unfallversicherungsträger
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Autor:innen:
Maike Juds | SRH University
Albrecht Freudewald | SRH University
Prof. Dr. Sabine Rehmer | SRH University
Im Teilprojekt 2 wurden in einer Dokumentenanalyse und Interviews die Unterstützungsangebote zur psychosozialen Notfallversorgung der Unfallversicherungsträger analysiert.
Untersuchte Forschungsfragen und Ergebnisse
3. Welche Hilfestellungen bzw. Unterstützungen bieten Unfallversicherungsträger im Bereich PSNV für ihre Mitgliedsbetriebe an?
Die Ergebnisse zeigen, dass viele Unfallversicherungsträger umfangreiche PSNV-Unterstützung bieten, wie Broschüren, Akuthilfen und psychologische Beratung vor Ort. Zudem fördern sie die Ausbildung psychologischer Erstbetreuender, jedoch sehen sie Herausforderungen bei Rollenkonflikten und variierenden Ausbildungsmodellen.
4. Welche Ideen und Pläne haben die Unfallversicherungsträger wie Betriebe zukünftig bei der psychosozialen Betreuung nach plötzlich auftretenden Extremsituationen im Arbeitskontext unterstützt werden können?
Zukünftig planen die Träger, Betriebe durch zusätzliche Schulungen, flexible Onlinemodule und Auffrischungskurse besser zu unterstützen. Auch empfehlen sie eine stärkere Erfassung psychischer Gesundheitsrisiken bei Notfällen.
15:30 Uhr
Psychosoziale Notfallversorgung in Unternehmen – aus Sicht ehrenamtlicher PSNV-B Teams
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Autor:innen:
Albrecht Freudewald | SRH University
Petra Wagner | SRH University
Prof. Dr. Sabine Rehmer | SRH University | Germany
Im Teilprojekt 3 wurden Daten zu Einsätzen ehrenamtlicher PSNV-B Teams ausgewertet. Zudem erfolgte eine Intensivbefragung von 11 PSNV-B Teams über 6 Monate.
Untersuchte Forschungsfragen und Ergebnisse
5. Wie häufig haben die Einsätze ehrenamtlicher PSNV-B Teams einen betrieblichen Anlass?
Die Ergebnisse zeigen, dass etwa 15% der PSNV-B-Einsätze einen betrieblichen Anlass hatten.
6. Wie erleben PSNV-B Einsatzkräfte die Einsätze im betrieblichen Bereich?
Die Einsätze in Betrieben sind komplexer, da mehrere Betroffenengruppen und Hierarchien berücksichtigt werden müssen, was zusätzlichen Personal- und Beratungsbedarf schafft. PSNV-B Einsatzkräfte betonten die Herausforderung, besonders bei unklaren Zuständigkeiten.
7. Wie könnten Betriebe bei der psychosozialen Betreuung nach Notfällen unterstützt werden?
Sie empfehlen, Unternehmen durch gezielte Schulungen stärker auf Notfälle vorzubereiten, z.B. durch Erstbetreuerschulungen und mehr Infos zur Psychohygiene.
15:50 Uhr
Psychosoziale Notfallversorgung in Unternehmen – aus Sicht externer Anbietender
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Autor:innen:
Prof. Dr. Sabine Rehmer | SRH University
Daniel Niewrzol | SRH University
Im Teilprojekt 4 wurde eine Onlinerecherche zu externen Anbietern der psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) durchgeführt, gefolgt von 40 Online-Interviews.
Untersuchte Forschungsfragen und Ergebnisse
1. Wie unterstützen externe Anbietende Unternehmen in Deutschland bei der psychosozialen Notfallversorgung?
Die Anbieter unterscheiden sich stark in Größe, Struktur und Angebotsbreite. Die Zahl der Anbieter wächst, wobei besonders Akutbetreuung, Nachsorge, Beratung und die Ausbildung psychologischer Erstbetreuender (bpE) gefragt sind. Einheitliche Qualitätskriterien fehlen jedoch oft.
2. Welche internen und externen Faktoren hemmen oder fördern die Unterstützung der Betriebe durch externe Anbietende?
Fördernde Faktoren sind gute Vernetzung, unterstützende Führungskräfte und Wissen über PSNV. Hemmende Faktoren bestehen durch organisatorische Mängel in Betrieben, unklare Finanzierungen. Optimierungspotenzial liegt in der Entwicklung einheitlicher Standards und Zusammenarbeit.
16:10 Uhr
Zusammenfassung und Verabschiedung