Die Frage nach der Wirkung von Tätigkeiten der Arbeitsschutzaufsicht auf die Compliance der
Betriebe ist ein Thema, das für den Arbeitsschutz wesentlich, gleichzeitig jedoch sehr schwer zu
erfassen ist. Eines der wichtigsten Instrumente der Aufsicht, die Betriebsbesichtigung, steht bei
solchen Fragen oft im Zentrum und daher auch im Mittelpunkt der Veranstaltung. Die
Veranstaltung richtet sich insbesondere an Aufsichtspersonal und an Aufsicht beteiligte
Praktikerinnen und Praktiker sowie dafür zuständige Entscheiderinnen und Entscheider.
In der Session wird sich dem Thema „Wirkung der Aufsicht – Compliance der Betriebe“ anhand
von drei Vorträgen angenähert. Es werden (a) Befunde einer international ausgerichteten
Literaturanalyse über die Wirkung von Betriebsbesichtigungen im Arbeitsschutz präsentiert, (b)
zwei empirische Studien zur Wirkung der Arbeitsinspektion in der Schweiz vorgestellt und (c) eine vergleichende Analyse europäischer Arbeitsschutzsysteme, u.a. von Deutschland, in Bezug auf Wirkung und Compliance dargestellt.
Im Anschluss an die drei Fachvorträge werden Chancen und Herausforderungen der Ansätze und Maßnahmen für den deutschen Arbeitsschutz diskutiert. Dabei steht die Übertragbarkeit der
Ergebnisse auf Deutschland und das deutsche Arbeitsschutzsystem im Fokus. Leitend sind Fragen nach der Praktikabilität der erörterten Lösungen, nach den Umsetzungsmöglichkeiten im
Aufsichtsgeschehen und nach der Resonanz der Betriebe.
Zielgruppen: Fachkraft für Arbeitssicherheit, Arbeitsorganisation, Management, Führung, Arbeitsschutzaufsicht
Zur besseren Lesbarkeit wird im Text auf die gleichzeitige Nennung aller Geschlechter verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten selbstverständlich für alle Geschlechter gleichermaßen.
10:45 Uhr
Begrüßung und Einführung
10:50 Uhr
Scoping Review über die Wirkung von Betriebsbesichtigungen im Arbeitsschutz
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Autor:innen:
Prof. Dr. Andreas Seidler | Technische Universität Dresden
Dr. Melanie Schubert | Technische Universität (TU) Dresden | Germany
Prof. Dr. Ulrich Bolm-Audorff | Technische Universität Dresden
Dr. Gabriela Petereit-Haack | Regierungspräsidium Darmstadt
Arbeitgebende sind dazu verpflichtet, Maßnahmen für die Sicherheit und Gesundheit ihrer Beschäftigten umzusetzen. Mehrere Veröffentlichungen weisen auf einen protektiven Einfluss von Besichtigungen durch die Arbeitsschutzbehörden auf arbeitsbedingte Verletzungen und einen positiven Einfluss auf die Einhaltung der Arbeitsschutzvorschriften hin. Um die Wirkungen von Besichtigungen auf den Arbeitsschutz zu beurteilen, fehlen jedoch noch Übersichtsarbeiten, die die Ergebnisse aktueller Primärstudien zu Besichtigungen durch staatliche Aufsichtsbehörden wie auch durch nicht-staatliche Akteur:innen wie Unfallversicherungsträger einbeziehen. Das hier vorgestellte Scoping Review soll den aktuellen Erkenntnisstand zur Wirkung von Interventionen der Arbeitsschutzaufsicht mit Fokus auf Besichtigungen im Arbeitsschutz aufzeigen.
Das methodische Vorgehen zur Untersuchung der Fragestellung orientiert sich dabei an der systematischen Übersichtsarbeit von Andersen und Kolleg:innen (2019). Die Literatursuche wurde in den elektronischen Datenbanken MEDLINE, Web of Science, und NIOSHTIC-2 durchgeführt. Daneben wurden Akteur:innen der Arbeitsschutzaufsicht um thematisch relevante Berichte gebeten. In diesem Beitrag wird der Stand der Forschung zur Frage der Wirkung von Arbeitsschutzinterventionen der Aufsicht dargestellt. Diese Ergebnisse bilden einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung des Arbeitsschutzes.
11:10 Uhr
Die Wirkung der Arbeitsinspektion angesichts komplexer Arbeitsschutzprobleme: Dilemmas und Strategien in zwei Inspektionskampagnen
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Autor:innen:
Prof. Dr. Rafaël Weissbrodt | HES-SO Valais-Wallis (Fachhochschule Westschweiz)
Dr. Déborah Gaudin | HES-SO Valais-Wallis (Fachhochschule Westschweiz)
Der Beruf des Arbeitsinspektors war lange Zeit durch eine vorwiegend technische Perspektive gekennzeichnet. Die Entwicklungen in den Unternehmen haben jedoch dazu geführt, dass die Probleme im Bereich Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz immer komplexer werden. Dieser Beitrag wird sich auf zwei dieser Themen konzentrieren: psychosoziale Risiken und chemische Risiken. Durch ihre Komplexität verstärken diese Berufsrisiken die Dilemmas, mit denen die Arbeitsinspektoren und -inspektorinnen konfrontiert sind. Die Präsentation stützt sich auf den Ansatz der „realistischen Evaluation“, um zwei in der Schweiz durchgeführte Vollzugsschwerpunkte zu analysieren. Die erste Inspektionskampagne befasste sich mit psychosozialen Risiken (2014-2018) und die zweite mit chemischen Risiken (2022-2023). Diese beiden Inspektionskampagnen werden vorgestellt und verglichen, und zwar auf der Grundlage der Kontexte, in denen die Inspektoren/innen tätig sind, der Mechanismen, auf denen ihre Interventionen beruhen sowie ihrer Auswirkungen. Abschließend wird der Beitrag Wege aufzeigen, wie die Wirkung der Arbeitsinspektion der Schweiz verstärkt und die Verletzlichkeit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus der Perspektive der Policy Networks verringert werden kann.
11:30 Uhr
Stärkung der Compliance – ein Vergleich von innovativen Ansätzen aus fünf europäischen Ländern
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Autor:in:
Dr. Dietmar Elsler | EU-OSHA
Die Sicherstellung von Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz stellt europäische Länder vor neue Herausforderungen, insbesondere durch technologische Veränderungen und neue Arbeitsformen. Diese vergleichende Analyse untersucht innovative Ansätze zur Förderung der Compliance in Norwegen, Deutschland, Polen, Portugal und Irland. Die Länder setzen auf unterschiedliche Strategien, darunter risikobasierte Inspektionsmodelle, digitale Tools zur Selbstbewertung und die Schaffung sektoraler Netzwerke.
Norwegen nutzt KI zur Risikobewertung, während Deutschland auf starke Präventionsdienste und die Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie setzt. Polen verfolgt sektorspezifische Präventionsprogramme, Portugal fördert gemeinschaftsorientierte Netzwerke, und Irland bietet Unternehmen mit dem Tool „BeSMART.ie“ die Möglichkeit zur digitalen Gefährdungsanalyse. Gemeinsam ist den Ländern die Nutzung neuer Technologien und die enge Zusammenarbeit mit Unternehmen, um die Einhaltung von Arbeitsschutz-Vorschriften zu fördern.
Diese Ansätze zeigen, dass innovative Lösungen zur Förderung der Compliance in verschiedenen Ländern übertragbar sind und einen europäischen Mehrwert schaffen. Erfolgsfaktoren wie risikobasierte Inspektionen und technologische Innovationen bieten wertvolle Erkenntnisse für die Weiterentwicklung der Arbeitsschutz-Strategien auf europäischer Ebene.
12:10 Uhr
Zusammenfassung und Verabschiedung