Die Arbeitsmedizin beschäftigt sich mit den Wechselwirkungen zwischen Arbeit und Gesundheit. Ein besonderes Augenmerk liegt auf arbeitsbedingten Gesundheitsschäden. Aufgabe ist es, Leistungsfähigkeit und Gesundheit der Beschäftigten zu erhalten und zu fördern.
Die drei Hauptsäulen der Arbeitsmedizin umfassen Beratung, Prävention und Diagnostik. Damit diese den Herausforderungen durch die sich stetige wandelnde Arbeitswelt immer wieder neu angepasst werden kann, bedarf es einer kontinuierlichen arbeitsmedizinisch, wissenschaftlichen Forschung.
Die Arbeitsmedizin steht aktuell vor einer Vielzahl von Herausforderungen, die durch technologische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen geprägt sind. Auf dem Symposium sollen folgende Themen vorgestellt und diskutiert werden:
• Der Klimawandel mit seinen Auswirkungen auf das Gesundheitswesen
• Neue Arbeitsstoffe, zu denen es unzureichende Daten zu potenziellen Gesundheitsrisiken gibt
• Pandemien und deren langfristige gesundheitliche Auswirkungen
• Die Früherkennung von Erkrankungen im Sinne der Sekundärprävention
• Physische und psychische Belastungen durch besondere Arbeitsformen wie Schichtarbeit
• Optimierung von Arbeitsprozessen, um arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren zu minimieren
• Berufsdermatologische Fragestellungen im Hinblick auf die TRGS 401
Zielgruppen: Fachkraft für Arbeitssicherheit, Betriebs-/Arbeitsmediziner
(Zur besseren Lesbarkeit wird im Text auf die gleichzeitige Nennung aller Geschlechter verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten selbstverständlich für alle Geschlechter gleichermaßen.)
16:30 Uhr
Parkinson und Pestizide
16:50 Uhr
Extremwetterereignisse und Klimawandel – Auswirkungen auf das Gesundheitswesen
17:10 Uhr
Allergene an Arbeitsplätzen
Details anzeigen
Autor:in:
Prof. Dr. Monika Raulf | Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA) | Germany
Veränderungen von Arbeitsprozessen, Einführung neuer Technologien oder Arbeitsstoffe führen zu neuen Allergenexpositionen im Arbeitsumfeld. Dies betrifft sowohl Typ IV-Allergene als Auslöser von Kontaktekzemen als auch berufliche Typ I- Allergene, Auslöser von allergischen Atemwegserkrankungen, Kontakturtikaria und Proteindermatitis. Obwohl mittlerweile mehr als 400 Arbeitsstoffe als Auslöser einer Typ I-Allergie identifiziert wurden, gehören Berufsallergene im Gegensatz zu ubiquitären Allergenquellen zu den eher seltenen Allergenquellen. Die häufigsten Typ I-Allergene sind hochmolekulare Stoffe, meist (Glyko-)proteine, die u.a. in diversen organischen Stäuben enthalten sind. Direkte und indirekte Auswirkungen des Klimawandel, sowie Anpassungsstrategien und Lebensstilveränderungen, die primär einen Beitrag zum Klimaschutz und -anpassung leisten sollen, können zu neuen Allergenexpositionen an Arbeitsplätzen führen. So ist bereits beschrieben, dass die Einführung von Hülsenfrüchten und Insekten als Proteinquelle oder der vermehrte Einsatz von Enzymen in der Futter- und Nahrungsmittelherstellung bei exponierten Beschäftigten mit allergischen Beschwerden verbunden sein kann. Für die Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz ist proaktives Handeln wichtig und erfordert die Erkennung neuer Sensibilisierungsquellen und die gezielte allergologische Diagnostik zur Einleitung von Maßnahmen.
17:30 Uhr
PostCOVID und Immunsystem
Details anzeigen
Autor:in:
Dr. Verena Liebers | Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA) | Germany
Als „Post-COVID-Syndrom“ (PCS) werden Beschwerden bezeichnet, die mehr als 12 Wochen nach Beginn der SARS-CoV-2-Infektion andauern und nicht anderweitig erklärt werden können. PCS zeigt sich als heterogenes Krankheitsbild und kann Beschwerden der Lunge, des Kreislaufsystems, der Muskulatur, Erschöpfungszustände, Konzentrationsschwäche und Kopfschmerzen bis hin zu Angstzuständen und Depression umfassen.
Ziel der Längsschnittstudie ist es, mit Hilfe von Biomarkern Zusammenhänge zwischen dem Gesundheitszustand und dem Immunsystem aufzudecken. Untersucht wurden mit Unterstützung der BGW 71 Beschäftigte aus dem Gesundheitswesen mit anerkannter BK 3101 aufgrund einer Covid-19-Erkrankung, die mehr als 12 Wochen nach der Infektion noch Symptome hatten. Nachuntersuchungen nach 6 Monaten und 12 Monaten erfolgten für 45 Studienteilnehmende.
Anhand eines Fragebogens gaben die Teilnehmenden ihre Symptome und Daten zu Vorerkrankungen und den Impfstatus an. Im Serum wurden u.a. Serum Amyloid A, C-reaktives Protein sowie 13 neuroinflammatorische Marker bestimmt. Als Kontrollen dienten Seren von COVID-19- Genesenen ohne anhaltende Beschwerden (n = 52) und von Personen, die nie mit SARS-CoV-2 Kontakt hatten (n= 34).
Signifikante Unterschiede anhand von serologischen Biomarkern zwischen PCS-Betroffenen und Kontrollprobanden ließen sich feststellen. Außerdem zeichnet sich ab, dass Entzündungsmarker im Serum hilfreich sein können, um relevante Untergruppen zu bilden.