Die Arbeitsmedizin beschäftigt sich mit den Wechselwirkungen zwischen Arbeit und Gesundheit. Ein besonderes Augenmerk liegt auf arbeitsbedingten Gesundheitsschäden. Aufgabe ist es, Leistungsfähigkeit und Gesundheit der Beschäftigten zu erhalten und zu fördern.
Die drei Hauptsäulen der Arbeitsmedizin umfassen Beratung, Prävention und Diagnostik. Damit diese den Herausforderungen durch die sich stetige wandelnde Arbeitswelt immer wieder neu angepasst werden kann, bedarf es einer kontinuierlichen arbeitsmedizinisch, wissenschaftlichen Forschung.
Die Arbeitsmedizin steht aktuell vor einer Vielzahl von Herausforderungen, die durch technologische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen geprägt sind. Auf dem Symposium sollen folgende Themen vorgestellt und diskutiert werden:
• Der Klimawandel mit seinen Auswirkungen auf das Gesundheitswesen
• Neue Arbeitsstoffe, zu denen es unzureichende Daten zu potenziellen Gesundheitsrisiken gibt
• Pandemien und deren langfristige gesundheitliche Auswirkungen
• Die Früherkennung von Erkrankungen im Sinne der Sekundärprävention
• Physische und psychische Belastungen durch besondere Arbeitsformen wie Schichtarbeit
• Optimierung von Arbeitsprozessen, um arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren zu minimieren
• Berufsdermatologische Fragestellungen im Hinblick auf die TRGS 401
Zielgruppen: Fachkraft für Arbeitssicherheit, Betriebs-/Arbeitsmediziner
(Zur besseren Lesbarkeit wird im Text auf die gleichzeitige Nennung aller Geschlechter verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten selbstverständlich für alle Geschlechter gleichermaßen.)
14:45 Uhr
Begrüßung und Einführung
14:55 Uhr
Früherkennung von Krebserkrankungen am Beispiel von Lungenkrebs
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Autor:in:
Prof. Dr. Volker Harth | Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Zentralinstitut für Arbeitsmedizin und Maritime Medizin (ZfAM) | Germany
Früherkennungsprogramme zu Krebserkrankungen können durch die frühzeitige Identifikation maligner Veränderungen wesentlich zur Verbesserung der Prognose und Überlebensraten der betroffenen Patienten beitragen. Die Diagnosestellung in einem für die Behandlung günstigen Frühstadium ermöglicht den Einsatz wenig invasiver Therapieformen und reduziert die krankheitsbedingte Mortalität.
Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) bietet ihren Versicherten mit ehemaliger beruflicher Asbestexposition ein Angebot zur Früherkennung von Lungenkrebs (EVA-Lunge) mittels Low-Dose-Computertomographie (LDCT) im Rahmen der arbeitsmedizinischen Vorsorge und für Versicherte mit anerkannter BK-Nr. 4103 an. Das Angebot richtet sich an Personen, die 55 Jahre und älter sind, mindestens 10 Jahre beruflich asbeststaubgefährdet waren (bzw. bei denen eine anerkannte BK-Nr. 4103 vorliegt) und bei denen ein Nikotinkonsum von mindestens 30 Packungsjahren festgestellt wurde.
Der Vortrag gibt eine Übersicht über die ersten Forschungsergebnisse zu diesem bundesweiten Angebot und vermittelt zugleich einen Ausblick auf das ab Mitte 2026 zu erwartende Lungenkrebs-Screening der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), für das die Krebsfrüherkennungs-Richtlinie (KFE-RL) bereits angepasst wurde.
15:15 Uhr
Prävention in der Berufsdermatologie
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Autor:in:
Dr. Michal Gina | Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA) | Germany
Berufsbedingte Hauterkrankungen, einschließlich entzündlicher Hauterkrankungen (BK 5101) und beruflich bedingtem Hautkrebs (BK 5103), gehören zu den häufig gemeldeten Berufskrankheiten. Dieser Vortrag widmet sich der Prävention in der Berufsdermatologie und beleuchtet aktuelle Entwicklungen, wie die neue AWMF-Leitlinie zu „beruflichen Hautmitteln“ und die Diskussion um die TRGS 401. Ein besonderer Fokus liegt auf der Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Unfallversicherungsträgern, Betriebsärztinnen und Betriebsärzten sowie Dermatologinnen und Dermatologen, um eine effektive individuelle Prävention zu gewährleisten.
15:35 Uhr
Schweißen, aber sicher
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Autor:in:
Dr. Martin Lehnert | Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA) | Germany
Lichtbogenschweißverfahren sind für Industrie und Handwerk unverzichtbar, bringen jedoch erhebliche Gesundheitsgefahren mit sich. Dazu zählen optische Strahlung, Hitze, Funkenflug, Lärm sowie elektrische und mechanische Risiken. Besonders gefährlich sind die freigesetzten Gefahrstoffe – Gase und Partikel –, die je nach Verfahren, Werkstoff und Bedingungen variieren. Je kleiner die Partikel, desto tiefer können sie in die Lunge eindringen und dort gesundheitsschädlich wirken.
Einige dieser Stoffe sind lungenbelastend (z. B. Eisenoxide), andere giftig (z. B. Zinkoxid) oder sogar krebserzeugend (z. B. Nickel- und Chrom(VI)-Verbindungen). Auch giftige Gase wie Ozon, CO oder Formaldehyd entstehen beim Schweißen. Seit 2018 stuft die WHO Schweißrauche als krebserregend für den Menschen ein. Daraus resultiert erhöhter Handlungsdruck zur Einhaltung geltender Arbeitsplatzgrenzwerte und Arbeitsschutzmaßnahmen.
Maßnahmen wie das Aktionsbündnis „sicher schweißen“ oder das Forschungsprojekt „InterWeld“ zielen darauf ab, die Belastung durch Schweißrauch zu senken. Dabei kommen Gefahrstoffmessungen, Prozessanalysen und technische Verbesserungen wie optimierte Absaugung, digital gesteuerte Prozessvarianten sowie andere Kompositionen von Schutzgasen und Schweißdrähten zum Einsatz. Zentrales Ziel ist es, die Sicherheit und den Gesundheitsschutz an Schweißarbeitsplätzen nachhaltig zu verbessern und so zur Zukunftssicherheit der Technologie beizutragen.
15:55 Uhr
Physische und psychische Belastungen durch Schichtarbeit
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Autor:in:
Prof. Dr. Thomas Behrens | Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA) | Germany
Nachtarbeit führt zu einer Exposition gegenüber Licht während der Nacht, die die endogenen zirkadianen Rhythmen beeinträchtigen kann. Nachtarbeiter sind gezwungen, während der natürlichen Schlafzeiten wach zu bleiben und zu schlafen, wenn sie ihre täglichen Aufgaben verrichten sollten. Die daraus resultierende „zirkadiane Disruption“ kann zu negativen gesundheitlichen Konsequenzen, insbesondere zu einem erhöhten Risiko für Arbeits- und Wegeunfälle sowie zu Fehlern bei der Arbeit, führen. Darüber hinaus wird Schichtarbeit mit dem Auftreten vieler chronischer Krankheiten in Verbindung gebracht, darunter Krebs, Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen sowie reproduktionsbedingte Störungen. Zusammenhänge mit gestörtem Schlafverhalten und verminderter Schlafqualität sind gut dokumentiert. Zunehmende Evidenz deutet darüber hinaus darauf hin, dass Schichtarbeit mit dem Auftreten von psychischen Belastungen wie Depressionen oder Angstzuständen assoziiert ist.
Der Vortrag gibt eine Übersicht über die möglichen gesundheitlichen Folgen von Schicht- und Nachtarbeit und legt dabei einen besonderen Fokus auf die Forschungsergebnisse des IPA.