Raum:
1. OG, Raum 17, Halle 1 / 1st Floor, Room 17, Hall
Thema:
Ergonomie und Arbeitsgestaltung
Präsentationsart:
Vortragsveranstaltung
Dauer:
90 Minuten
Ergonomische Arbeitsgestaltung ist weit mehr als nur ein rückengerecht eingestellter Stuhl. Sie verbindet Produktentwicklung, Arbeitsablauf und Gesundheitsprävention zu einem integrativen Konzept, das den Menschen mit all seinen individuellen Prägungen in den Mittelpunkt stellt. Die Veranstaltung beleuchtet die drei zentralen Dimensionen der Ergonomie – körperlich, kognitiv und organisatorisch – und zeigt auf, wie gezielte Maßnahmen nicht nur die Leistungsfähigkeit, sondern auch langfristig die Gesundheit sichern können.
Zentrale Aspekte der Veranstaltung:
- Konkrete Beispiele für menschengerechte Gestaltung von Arbeitsmitteln und -prozessen
- Einblick in aktuelle ergonomische Ansätze aus Praxis und Forschung
- Darstellung der physischen, psychischen und organisatorischen Einflussfaktoren auf die Arbeit
- Strategien zur Verringerung körperlicher und mentaler Belastungen im Arbeitsalltag
- Einblicke in Maßnahmen zur nachhaltigen Förderung der Gesundheit der Mitarbeiter
Die Teilnehmenden erhalten relevante Impulse, damit Arbeitsplätze sicher, effizient und gesundheitsförderlich gestaltet werden können.
(Zur besseren Lesbarkeit wird im Text auf die gleichzeitige Nennung aller Geschlechter verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten selbstverständlich für alle Geschlechter gleichermaßen.)
09:30 Uhr
Begrüßung und Einführung
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Autor:in:
Dr. Frank Gillmeister | Ergonomie Kompetenz Netzwerk (ECN) | Germany
Ergonomie braucht Menschen, es klingt so einfach, ist es aber nicht immer! Denn ein Produkt, ein Arbeitsablauf oder die Arbeitsbedingungen können allein nicht ergonomisch sein, wenn sie ohne den Menschen betrachtet werden. Und der Mensch kann sehr unterschiedlich sein. Erst mit dem Menschen zusammen können wir somit von ergonomischen Werkzeugen, gesundheitsgerechtem Arbeiten und belastungsreduzierten Arbeitsbedingungen sprechen.
Menschen brauchen Ergonomie – Gesundheit ist ein wertvoller Bestandteil unseres Lebens und nicht als selbstverständlich anzusehen. So, wie wir selbst nicht durch eine Erkrankung eingeschränkt werden wollen, so müssen wir gleichwohl dafür sorgen, dass andere dasselbe Recht besitzen. Auch wenn Prävention manchmal hinderlich erscheint und Einschränkungen lästig sind, zeugt es jedoch von Verantwortung im gesellschaftlichen Miteinander. Nicht der Stärkere darf gewinnen, unser Leben und die Arbeit sind eine gemeinsame Teamaufgabe.
Es zeigt sich somit, ohne Menschen brauchen wir keine Ergonomie, und ohne Ergonomie werden wir auch nicht zum gerechten Menschen. Im Mittelpunkt der ergonomischen Gestaltung steht somit der Mensch mit seinen individuellen Leistungsvoraussetzungen, wie z. B. Körpergröße, Körperkraft, Fertigkeiten, aber auch Sehvermögen, Lese- und Schreibvermögen sowie Fachwissen.
Arbeiten wir gemeinsam an dem humboldtschen Bildungsideal, tragen wir zu einer interessanten, lebhaften und unterhaltsamen Veranstaltung bei.
09:35 Uhr
Mensch nach Maß: DIN-Normen & Körpermaße – wie passt das zusammen?
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Autor:in:
Katharina von Rymon Lipinski | Kommission Arbeitsschutz und Normung (KAN) | Germany
Produkte lassen sich nur sicher gestalten, wenn die verwendeten Körpermaßdaten mit den aktuell in der Bevölkerung vorhandenen Körpermaßen übereinstimmen. Die körperlichen Merkmale von Menschen verändern sich allerdings in der letzten Zeit deutlich, insbesondere die Breiten-, Tiefen-, Umfangs- und Gewichtsmaße. Werden keine oder falsche Körpermaßdaten bei der Gestaltung von Produkten zugrunde gelegt, kann es dazu kommen, dass z.B. kleine Menschen ein Stellteil gut erreichen können, große Menschen sich aber stark bücken müssen. Besonders problematisch wird es aus Sicht des Arbeitsschutzes, wenn die Konstruktion von Produkten, die dafür gedacht sind, Menschen zu tragen oder zu halten, auf einem zu niedrig angesetzten Personengewicht beruht.
Die Verwendung der für den Einsatzzweck richtigen Körpermaßdaten bei der Konstruktion von Produkten und auch schon im vorgelagerten Schritt der Normung ist essenziell. Sie trägt maßgeblich dazu bei, dass Produkte von möglichst vielen Menschen (sicher) verwendet werden können. Werden beispielsweise nur Daten männlicher Personen für die Beschreibung von Anforderungen an ein Produkt wie persönliche Schutzausrüstung zu Grunde gelegt, kann die Passform für weibliche Personen ungünstig sein. Das kann zu einem Sicherheitsproblem führen.
Im „KANPraxis Ratgeber: Körpermaße anwenden.“ der KAN wird gezeigt, wie die grundlegenden Fragen bei der Auswahl und Anwendung von Körpermaßdaten beantwortet werden können.
09:55 Uhr
BGHM-Datenbank „Gute Fertigungsgestaltung“
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Autor:in:
Jochen Eckardt | Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM) | Germany
Das Ziel der BGHM-Datenbank „Gute Fertigungsgestaltung“ ist es, Betriebe bei der Entwicklung von Präventionsmaßnahmen bei körperlichen Belastungen zu unterstützen. Dabei ist es egal, ob im Rahmen der Risikobewertung erhöhte Belastungen festgestellt wurden, bereits Ideen zu Arbeitshilfen vorliegen oder gute betriebliche Lösungen (Best Practice) als Anregung dienen sollen. Der Einstieg funktioniert situationsabhängig über 4 verschiedene Rubriken. Die Inhalte der Datenbank „Gute Fertigungsgestaltung“ folgen einem standardisierten Aufbau und sind im Umfang jeweils auf eine Seite begrenzt. Über thematische Verknüpfungen innerhalb der Rubriken kann man navigieren und z. B. aus anderen Brachen Tipps holen. Ein Kontaktfenster steht zum Teilen des eigenen Wissens über ergonomische Lösungen an.
10:15 Uhr
Manuelles Kommissionieren in der Tiefkühllogistik – Eine Herausforderung für Mensch und Unternehmen
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Autor:in:
Prof. Dr. Karsten Kluth | Universität Siegen | Germany
Der Absatz von tiefgekühlter Ware ist in den vergangenen 20 Jahren um 100% gestiegen und weitere Prognosen lassen annehmen, dass sich dieser Trend auch in Zukunft fortsetzen wird. Die als Zwischenlager genutzten Tiefkühlzentren stellen dabei ein wesentliches Schlüsselelement in der Verteilungskette von Tiefkühlkost dar, bei der der Gesetzgeber fordert, dass die Kühlkette vom Produzenten bis zum Konsumenten nicht unterbrochen werden darf. Hier werden die Einheiten nach wie vor von Hand kommissioniert, d.h. dass die Versandeinheit für den Auftrag aus vielen verschiedenen Artikeln manuell zusammengestellt werden muss. Das Kommissionieren in einem Tiefkühlzentrum bedingt somit die Notwendigkeit, dass sich das Personal längere Zeit im Temperaturbereich von ca. -24°C für „Tiefkühlware“ aufhalten muss.
Die Kommissionierung muss durch regelmäßige Pausen in warmer Umgebung zur Wiedererwärmung des Körpers unterbrochen werden. Die Pausen werden aber je nach Umgebungstemperatur von den Betrieben unterschiedlich gestaltet, da ein festes Arbeits-Pausen-Regime bislang in keinem Regelwerk festgelegt wurde und wissenschaftlich fundiertes Wissen über die Auswirkungen von Kältearbeit unter realen Arbeitsbedingungen weitgehend fehlte.
Sieben Jahre Forschung in einem Warenverteilzentrum haben dieses Defizit systematisch aufgearbeitet und unter Einbeziehung des Lebensalters und Geschlechts der Arbeitspersonen neue Rahmenbedingungen für ein optimiertes Arbeitszeit-Pausenzeit-Regime entwickelt. Der Vortrag stellt zugleich den Vergleich der gewonnenen Erkenntnisse mit Daten über jüngere und ältere männliche Arbeitnehmer an und widmet sich demnach wichtigen Fragestellungen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie der gesteigerten Arbeitsprozess-Effizienz und ist von hoher Aktualität.
10:35 Uhr
OPTIMA PRO: Multimodale Messung zur Optimierung der Raumqualität an Produktionsarbeitsplätzen
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Autor:innen:
Dr. Maria Zaglauer | Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP | Germany
Michaal Visser | Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP | Germany
Noemi Herget | Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP | Germany
Ziel der Initiative OptimaPro ist die Verbesserung der Raumqualität an Produktionsarbeitsplätzen.
Adressiert werden dabei sowohl produktionsnahe Bildschirm- und Büroarbeitsplätze, als auch durch Stressoren wie Lärm erhöht belastete Arbeitsplätze in der Produktionslinie.
Voraussetzung für eine nutzergerechte Optimierung dieser Arbeitsplätze ist die multimodale Erfassung der technisch messbaren UND wahrgenommenen Belastung durch Raumfaktoren (Beleuchtung, Akustik/Lärm, thermische Umgebung, Gerüche und Schadstoffe).
In einem durch das Programm InvestBW des Landes Baden-Württemberg geförderten „Praxisprint“ wurde das thermische Messystem „DressMan“ des Fraunhofer IBP zu einem multimodalen Messsystem mit „Augen“ und „Ohren“ weiterentwickelt. Analog zur Messung simultan erfassbare Nutzerurteile ermöglichen eine ganzheitliche Arbeitsplatzevaluation in der Praxis sowie die Erforschung von Wechselwirkungen und objektiv-subjektiver Zusammenhänge. In einer ersten Nutzerstudie wurde das Gesamtsystem im Labor getestet.
Das multimodale Messkonzept kann zukünftig durch Praxiseinsätze und multimodale Forschung zur ganzheitlichen Verbesserung der Raumqualität in Produktionshallen und damit zur Steigerung der Mitarbeitergesundheit und -leistung beitragen. Letztlich zielt das Konzept auch auf die Steigerung der Arbeitgeberattraktivität (Stichwort Fachkräftemangel) ab und wirkt krankheitsbedingten Ausfällen entgegen.
10:55 Uhr
Zusammenfassung und Verabschiedung
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Autor:in:
Dr. Frank Gillmeister | Ergonomie Kompetenz Netzwerk (ECN) | Germany
Zusammenfassung der vorangegangenen Beiträge und Schlussworte der Session